Ratgeber — Technik
Die „maximale Traglast“ einer Palette ist kein einzelner Wert, sondern drei: dynamisch (in Bewegung), statisch (am Boden), Regallast (auf Traversen). Hier lesen Sie, wie Sie Ihre reale Last berechnen und das passende Modell mit Sicherheitsmarge wählen.
In einem Satz: Jede Holzpalette trägt 3 verschiedene Lasten — dynamisch (in Bewegung), statisch (am Boden), gestapelt bzw. im Regal. Die dynamische Traglast liegt 2- bis 4-mal unter der statischen. Planen Sie 20–30 % Sicherheitsmarge ein: Für 1.000 kg reale Last wählen Sie eine Palette mit mindestens 1.200–1.300 kg dynamischer Traglast.
Die dynamische Traglast ist das maximale Gewicht, das die Palette in Bewegung trägt. Sie deckt alle Vorgänge mit Fahr- und Hubbewegung ab:
• Handhabung mit Hand- oder Elektrohubwagen
• Anheben mit dem Gabelstapler
• Lkw-Transport (Anfahren, Bremsen, Kurven)
• Stapeln mit Hochhubwagen oder Stapler
Es ist der strengste der drei Werte: Beschleunigungs- und Bremskräfte addieren sich zum statischen Gewicht. Die dynamische Traglast ist daher der Referenzwert, den Sie mit Ihrer realen Last vergleichen müssen.
Die statische Traglast ist das maximale Gewicht in Ruhe — am Boden abgestellt, ohne Bewegung und Vibration. Sie liegt typischerweise 2- bis 4-mal über der dynamischen, weil die mechanischen Spannungen geringer sind (keine Stöße, allmählich aufgebrachte Last).
Typische Fälle: Blocklagerung am Boden (die unterste Palette trägt die aufgesetzten Lagen) und langfristiges Abstellen ohne geplante Handhabung.
Der Sonderfall: Lagerung im Palettenregal. Die Palette liegt auf 2 parallelen Traversen — in der Mitte entsteht eine Durchbiegung, die am Boden nicht auftritt. Die Kapazität liegt typischerweise deutlich unter der statischen Traglast und in der Größenordnung der dynamischen.
Für Regallager ist dieser Wert entscheidend: Unterdimensionierung heißt Palettenbruch und abstürzende Ware. Für schwere Industrielasten empfehlen sich verstärkte Schwerlastpaletten.
| Modell | Dynamische Traglast | Statische Traglast | Regallast | Details |
|---|---|---|---|---|
| Einwegpalette leicht 80×120 | 400 kg | — | Nicht empfohlen | Zur Seite → |
| Einwegpalette halbschwer 80×120 | 750 kg | 1.500 kg | Nicht empfohlen | Zur Seite → |
| Einwegpalette schwer 80×120 | 1.000 kg | 2.000 kg | max. 500 kg | Zur Seite → |
| EPAL-Europalette 80×120 | 1.500 kg | 4.000 kg | 1.000 kg | Zur Seite → |
| CP1 bis CP5 (Kufenpaletten) | 1.500 kg | 4.000 kg | ≈ dyn. Traglast | Zur Seite → |
| CP6, CP7 (umlaufender Rahmen) | 1.500 kg | 4.000 kg | ≈ dyn. Traglast | Zur Seite → |
| CP8, CP9 (verstärkt) | 2.000 kg | 6.000 kg | ≈ dyn. Traglast | Zur Seite → |
| VMF-Palette (D 3071) | 1.000 – 1.500 kg | — | 1.000 kg | Zur Seite → |
| Sonderpalette verstärkt | 1.500 – 3.000 kg | Nach Lastenheft | Nach Lastenheft | Angebot → |
⚠️ Nennwerte für neuwertige Paletten bei gleichmäßig verteilter Last. Bei Gebrauchtpaletten einfacher Sortierung oder konzentrierter Last 30–50 % abziehen.
Wiegen Sie den Inhalt einer voll beladenen Palette in Ihrem üblichen Gebinde. Beispiel: 24 Kartons × 12 kg = 288 kg → reale Last = 288 kg + Eigengewicht der Palette (~25 kg bei einer EPAL) = 313 kg gesamt.
Die Marge deckt ab:
• den fortschreitenden Verschleiß der Palette im Umlauf
• Stöße bei der Handhabung
• asymmetrische Beladung (verschobener Schwerpunkt)
• ungünstige Bedingungen (Feuchte, Kälte, Transportvibrationen)
Beispiel: reale Last 1.000 kg → Palette mit mindestens 1.200–1.300 kg dynamischer Traglast wählen.
Suchen Sie in der Tabelle die Palette, deren dynamische Traglast Ihren Bedarf mit Marge abdeckt. Kommen mehrere Modelle infrage:
• Einmaliger Umlauf / Export → Einwegpalette der passenden Gewichtsklasse
• Geschlossener Kreislauf / Mehrfachumlauf → EPAL-Europalette oder VMF je nach Branche
• Chemische Industrie → CP1 bis CP9 nach Gebinde — welches CP-Modell? →
• Lasten über 1.500 kg → Schwerlastpalette oder Sonderpalette
Alle Nennwerte setzen eine gleichmäßig verteilte Last auf dem Deck voraus. Konzentriert Ihr Gebinde das Gewicht in der Mitte (z. B. ein Motor mit 800 kg auf einer EPAL), muss die Palette 30–50 % stärker dimensioniert sein als der Nennwert. In diesen Fällen: CP-Palette mit engem Deck oder Sonderpalette.
Stapeln Sie 3 beladene Paletten (z. B. 3 × 800 kg im Lkw), trägt die unterste Palette 2 × 800 kg = 1.600 kg — als statische Last. Die EPAL trägt 4.000 kg statisch: kein Problem. Die halbschwere Einwegpalette trägt 1.500 kg statisch: Stapeln ist hier auf 2 Lagen begrenzt.
Holz verliert in feuchter Umgebung (unbeheiztes Lager im Winter) oder bei Frost (Tiefkühlzelle) 20–30 % seiner Festigkeit. Planen Sie hier zusätzliche Marge ein oder wählen Sie eine behandelte Sonderpalette.
Eine 4-Wege-Palette kann von allen vier Seiten aufgenommen werden, eine 2-Wege-Palette nur von den beiden Längsseiten. Verlangt Ihre Fördertechnik die Aufnahme von jeder Seite (automatisierte Logistik), sind 4 Einfahröffnungen Pflicht. Alle EPAL- und CP-Paletten sind 4-Wege; manche leichten Einwegpaletten nur 2-Wege — im Einzelfall prüfen.
Die dynamische Traglast gilt in Bewegung (Hubwagen, Stapler, Transport), die statische Traglast in Ruhe am Boden. Die statische liegt typischerweise 2- bis 4-mal höher, weil ohne Stöße und Beschleunigungen geringere Spannungen wirken.
Empfohlen: 20 bis 30 % über der realen Last. Eine mit 1.000 kg dynamisch angegebene Palette sollte in der Praxis höchstens 700–800 kg tragen. Die Marge deckt Verschleiß, Stöße, asymmetrische Beladung und ungünstige Bedingungen ab.
Die Traglast auf 2 parallelen Traversen im Palettenregal — mit Durchbiegung in der Mitte. Der Wert liegt deutlich unter der statischen Traglast, in der Größenordnung der dynamischen. Für Regallager entscheidend; für schwere Lasten: Schwerlastpaletten →
Für 1.000 kg real (mit Marge: rund 1.200 kg Kapazität): schwere Einwegpalette 80×120 (Grenzwert, einmaliger Umlauf), EPAL (1.500 kg, komfortable Reserve), CP-Paletten (bis 2.000 kg bei CP8/CP9) oder eine verstärkte Schwerlastpalette.
Eine EPAL-Palette in gutem Zustand: 1.500 kg dynamisch, 4.000 kg statisch, rund 1.000 kg im Regal (verteilte Last). Bei Gebrauchtpaletten einfacher Sortierung oder Punktlast 30–50 % abziehen.